Literarische Matinée | 21. Juni 2026 | 11 Uhr
Oda Gräbner: „Anatomie der Wolken“ von Lea Singer
Zwei der bedeutendsten deutschen Künstler verkörpern wie kaum jemand sonst die gesellschaftlichen Gegensätze, die zu ihrer Zeit aufeinandertrafen: Johann Wolfgang von Goethe und Caspar David Friedrich. Sie mochten sich nicht – und waren doch fasziniert voneinander. In ihrem Roman „Anatomie der Wolken“ schildert Lea Singer, wie sich die beiden begegneten, beschreibt ihre Lebensumstände, lässt eine längst vergangene Zeit äußerst lebendig wiederauferstehen und holt den Dichter und den Maler mit fein dosierter Ironie von ihren Denkmalsockeln.
„Keine Ahnung von Mythologie und klassischen Regeln, doch Wolken malen kann dieser Friedrich“, ereifert sich Geheimrat von Goethe über den jungen, wilden Romantiker Casa David Friedrich. Im Jahr 1810 begegnen sie sich erstmals: Goethe, berühmter Dichter und alterndes Universalgenie, und Friedrich, der Maler, der sich weder aufs Reden noch aufs Schreiben richtig versteht. Der eine ist diplomatischer Minister, der andere ein Habenichts ohne Manieren. Ein betuchter Frankfurter Großbürgersohn und ein Seifensiedersprößling aus Greifswald. Goethe ist auf dem Zenith seines Ruhms, während Friedrich mit allen Konventionen seiner Zeit bricht. Doch eines verbindet sie: Beide sind gebannt von den Wolken..
Die Autorin Lea Singer studierte Kunstgeschichte, Gesang, Musik- und Literaturwissenschaft und ist promovierte Kunsthistorikerin. Sie schreibt historische Romane sowie unter dem Namen Eva Gesine Baur Sachbücher, oft Biografien über Künstler. Sie wurde mit verschiedenen Literaturpreisen ausgezeichnet und lebt in München. „Anatomie der Wolken“ erschien erstmalig 2015.